CDU Landratskandidat Kai Seefried diskutiert mit Experten über Kinderrechte und Bildung.

Landkreis Stade. Unter dem Motto „Bildung und Soziales – Kinder und Jugendliche in der Krise“ hat der CDU Landratskandidat Kai Seefried zu seiner dritten Zukunftswerkstatt für den Landkreis Stade eingeladen und Experten aus der Region und darüber hinaus zusammengeführt. Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Schutz der Kinderrechte und vor allem die Digitalisierung, insbesondere im Hinblick auf die Folgen der Coronakrise. 

Den Einstieg in die rund dreistündige Veranstaltung machte Prof. Dr. Gunda Voigts von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seefried hatte sie bewusst ausgewählt, um gleich zu Beginn der Veranstaltung aufzurütteln und auf die besonders belastende Situation von Kindern und Jugendlichen in der Coronakrise hinzuweisen. Voigts machte gleich zu Beginn deutlich, dass aus ihrer Sicht die Rechte der Kinder und Jugendlichen in der Krise komplett missachtet werden. Sie appellierte daran, Kindern und Jugendlichen mehr Freiräume zu geben:“ Sie wollen ihren Beitrag zur Krise leisten und sorgsam mit den entsprechenden Vorgaben umgehen. Es muss aber möglich sein Schulen, Hochschulen und auch das private Leben aufrecht zu erhalten!“, so der Appell von Prof. Voigts. Inhaltlich nahtlos anschließen konnte sich an diesen inhaltlich aufrüttelnden Impuls der Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Niedersachsen, Johannes Schmidt. Er legte den Finger in die Wunde:“ Die UN-Kinderrechte sind bis heute nicht angekommen. Im Regelfall kennen Kinder sie selbst noch nicht einmal“, so Schmidt. Es sei dringend notwendig, dass die drei Säulen aus Schutz, Förderung und Beteiligung in allen gesellschaftlichen wie auch politischen Bereichen umgesetzt werden. Auf der Landesebene werden jetzt als Ergebnisse aus der Kinderschutzkommission entsprechende Maßnahmen vorbereitet. Auch eine Ombudsstelle als Anlaufpunkt für Kinder soll es zukünftig geben. Schmidt wünscht sich jedoch, dass die Kinderrechte auch auf der regionalen Ebene stärker in den Blick genommen und gebündelt werden. „Nach jeder Kreistagssitzung sollten sich die Verantwortlichen fragen, ob die gefassten Beschlüsse eine gute Wirkung für die Zukunft von Kindern und Jugendlichen haben“, so Schmidt. Vor Ort auf der kommunalen Ebene appelliert er für die Einführung von Kinder-und Jugendbeiräten, die mehr sind als nur ein Ideengeber, sondern wirkliche Verantwortung und auch ein eigenes Budget erhalten. Auch die Einführung von Ratsbeauftragen für Kinder und Jugendliche seien aus seiner Sicht geeignete Maßnahmen. 

Aus der Arbeit der Beratungsstelle des Diakonieverbandes Buxtehude-Stade berichtete die Leiterin Kerstin Meyer. Sie verdeutlichte, dass der Landkreis Stade im Prinzip die gleichen Herausforderungen hat wie alle anderen Regionen in Deutschland. Als besondere Herausforderung sieht sie jedoch die Größe des Landkreises und auch den hohen Anteil der ländlichen Bereiche. Hier ist es Ihrer Ansicht nach wichtig, auch vor Ort niedrigschwellige Beratungsangebote anzubieten. Zusätzlich müsse die Gewaltprävention verstärkt werden. Passend zu den Ausführungen von Johannes Schmidt unterstrich sie, dass Kinderschutz eine Querschnittsaufgabe aller Bereiche sein müsse. Im Hinblick auf die Inklusion, die öffentlich sehr stark im Bereich der Schule diskutiert wird, berichtete die Fachberaterin Beate Szillat von der BÖRNE. Ihr Plädoyer lautete: Inklusion muss nicht heißen, alle gleich zu machen, sondern das Kindeswohl muss im Mittelpunkt stehen. Mit dem Schwerpunkt der beruflichen Ausbildung brachte sich die Industrie- und Handelskammer Stade, vertreten durch Dirk Immken, in die Diskussion ein. Er warb dafür, die berufliche Bildung als Stärke des Bildungssystemes zu betrachten und weiter zu stärken. Wichtig sei für ihn, dass der Digitalisierungsprozess, der jetzt durch die Coronakrise einen enormen Schub bekommen hat, nicht gebremst wird, sondern konsequent weiterverfolgt wird. Die Berufsbildenden Schulen müssen dementsprechend gut ausgestattet sein und es gilt auch zukünftig wohnortnahe Schulangebote aufrecht zu erhalten. Den Schwerpunkt auf die Digitalisierung in der Bildung legte auch die bildungspolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Mareike Wulf. „Wenn diese Krise irgendetwas Positives mit sich gebracht hat, dann ist es, dass alle gelernt haben, die Digitalisierung in der Schule umzusetzen“, so Wulf. Ihr sei es ganz besonders wichtig, dass dieser Weg weitergegangen werde, Schulen entsprechend ausgestattet sind und Lehrkräfte auch weiter für diese Aufgabe qualifiziert werden. 

In einem offenen Forum, zu dem Seefried Jugendliche eingeladen hatte, um selbst ihre Sichtweisen und Positionen einzubringen, berichtete Niels Kohlhaase aus Buxtehude, dass aus seiner Sicht die Betroffenheiten während der Krise ganz unterschiedlich gewesen sind. Während zum Beispiel in seinem Ausbildungsberuf weitergearbeitet werden konnte und es kaum Einschränkungen gab, traf es natürlich junge Menschen in anderen Bereichen, die zum Teil einem Berufsverbot unterlagen, deutlich dramatischer. Alle Teilnehmer waren stimmten den Ausführungen von Niklas Mehrkens aus Harsefeld zu, der die Situation vieler Jugendlicher beschrieb: „Uns ist schon wirklich etwas verloren gegangen. Diese Zeit werden wir auch nicht nachholen können. Vor allem wünschen wir uns aber gleiche Rechte wie diejenigen, die einen vollen Impfstatus bekommen. Eine Diskussion darüber, dass nur Geimpfte Vorteile genießen und Kinder und Jugendliche, die aufgrund der Priorität oder des Alters keinen Zugang zu einer Impfung haben, empfinden wir als Benachteiligung!“ Die Einführung eines Kinder- und Jugendbeirates fand auch nicht nur Zustimmung. So wurde auch darauf verwiesen, dass es bereits bestehende Institutionen mit Stadtjugendringen sowie dem Kreisjugendring gibt. Auch Seefried betonte hier, dass es wichtig sei, vorhandene Strukturen bei möglichen Veränderungen einzubinden.

In einer großen Diskussionsrunde nahmen dann zusätzlich noch Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, der Lebenshilfe und der BÖRNE teil. Uwe Lütjen als Kreisgeschäftsführer des DRK wies im Hinblick auf die geführte Diskussion darauf hin, dass es wichtig sei, am Kindeswohl ausgerichtet entsprechende Angebote zu schaffen. Hier warb er auch noch mal für einen verstärkten Blick auf Integrationskindergärten. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe Stade Niko Lampio blickte durchaus positiv auf die Bewältigung der Coronakrise in den vergangenen Monaten zurück. Natürlich habe es massive Einschnitte in die soziale und bildungspolitische Arbeit gegeben. Er wollte bei dieser Gelegenheit aber auch nochmal ein großes Lob aussprechen, an alle, die in diesem Bereichen Verantwortung übernehmen. Dies gilt insbesondere auch in Richtung der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die versucht haben, im Sinne der Kinder und der Familien ihr Möglichstes zu leisten und vielfach auf eine aufsuchende Arbeit vor Ort umgestellt haben. Klar sei aber auch aus Sicht von Niko Lampio, dass die Folgen jetzt nicht außer Acht geraten dürfen, sondern Kinder, Jugendliche und auch Familien insgesamt in den Fokus gehören. Im Hinblick auf das Thema Schulbegleitung warb die Geschäftsführerin der BÖRNE, Stefanie Mencke für eine am Kind ausgerichtete Entscheidung, um entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten bedarfsgerecht für Kinder und Jugendliche zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig war ihr der Ausbau der Fachkräfteausbildung ein besonderes Anliegen.

In einer Schlussrunde wurden noch einmal die zentralen Wünsche zusammengefasst. Im Zentrum standen hier ein engagiertes Angehen der Herausforderungen, aber auch der Chancen im Bereich der Digitalisierung, die Forderung, dass Kinderschutz und Bildung mehr zusammengedacht werden müssen und die Schere zwischen gut und möglicherweise nur eingeschränkt ausgestatteten Schulen nicht größer werden dürfte. Außerdem müsse die Vielfalt zur Normalität werden. Alle Beteiligten warben für eine gute Personalausstattung, eine enge Vernetzung der verschiedenen Beratungs- und Unterstützungsangebote und dafür, die Kinderrechte deutlich mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Dies war auch für den CDU-Landratskandidaten die zentrale Botschaft der Zukunftswerkstatt.