„Wir wünschen uns von der Politik etwas mehr Verlässlichkeit“, so könnte man den Tenor der Wirtschaftreise zusammenfassen. Entscheidungen in der Politik dauerten zu lange oder aber Gesetze würden rückwirkend gelten. Unternehmen müssen aber wissen, woran sie sind. Nur so können Investitionen – gleich welcher Art – sinnvoll getätigt werden. Gemeinsam mit den beiden Landtagsabgeordneten, Helmut Dammann-Tamke und Kai Seefried sowie dem Bundestagskandidaten Oliver Grundmann besuchten rund 20 Teilnehmer sieben Unternehmen im Landkreis Stade. Die drei Politiker notierten viele Themen auf einem großen Wunschzettel an die Politik. Martin Ruehs von Eisbär Eis in Apensen hat Sorge, dass das aktuelle Erbschaftssteuerrecht kippen wird, nachdem es zum 1.1.2009 grundlegend reformiert wurde. Zurzeit werden Betriebsvermögen im Erbschaftsfall steuerlich begünstigt bzw. befreit, wenn bestimmte Auflagen für eine Betriebsfortführung erfüllt werden. Entfällt dies, könne eine Unternehmensnachfolge kaum  noch gewährleistet werden, so Ruehs. Der traditionelle Mittelstand mit familiengeführten Unternehmen sei dann auf das Äußerste gefährdet. Außerdem müsse die Zuckerquote auf den Prüfstand. Die Absatzmärkte der Lintec Gruppe sind eher in China, Afrika, Südamerika oder in Russland. Lintec fertigt in seinem polnischen Werk Asphalt- und Betonmischanlagen in Modul-Form auf Containerbasis für den globalen Markt. So können Kundenwünsche schnell und flexibel umgesetzt werden. In Buxtehude werden die Anlagen zentral entwickelt und projektiert. Dabei wird darauf geachtet, dass „Made in Germany“ Markenzeichen bleibt, betont Ingo Grantz, Leiter der Materialwirtschaft bei Lintec. Vorstandsvorsitzender Andreas Viebrock von der Viebrockhaus AG in Harsefeld hat mit immer neuen EU-Richtlinien zu kämpfen. Neuerdings müsse man sogar nachweisen, wie stark sich Dachbalken biegen. Insgesamt sieht sich das Unternehmen mit einem Marktanteil von 13 % im Einfamilienhausbau in Norddeutschland sehr gut aufgestellt. Modernste energiesparende Massivhäuser werden auf den Zeitpunkt genau übergeben. Da staunten die Besucher von der MIT nicht schlecht: Die Qualitätskontrolle beim Hausbau inklusive Fotodokumentation erfolgt zentral und online über web-cam und Tablet-PCs in direkter Kommunikation mit der Baustelle vor Ort. Die Energiewende ist bei Viebrockhaus bereits eingeläutet. Viebrockhaus arbeitet im eigenen „Forschungshaus“ intensiv daran, die Energieeffizienz seiner Massivhäuser noch weiter zu steigern. In 2012 erhielten alle „Energieplushaus“-Kunden außerdem 500 qm Schutzwald in Panama als CO2-Ausgleich als Geschenk. Eine Studie in Zusammenarbeit mit der Hochschule 21 in Buxtehude hat ergeben, dass 100 m² Schutzwald für 50 Jahre den Ausgleich der beim Bau des Hauses und bei der Produktion der Materialien entstandenen Emissionen ergeben. Im Baugewerbe macht sich der Fachkräftemangel bereits heute bemerkbar. Es fehlen schon heute Maurer und Betonbauer, beklagt Peter Witt von der Lindemann-Gruppe in Stade. Außerdem sei es unverständlich, dass Zuschüsse für altersgerechtes Wohnen lediglich an Privatleute gezahlt würden. Die gewerbliche Wohnungswirtschaft sei davon ausgenommen. Junior Friedrich Witt stellt die 560 qm große Ausstellung „Bauen erlebbar machen“ in den neuen Räumlichkeiten am Klarenstrecker Damm in Stade vor, die anlässlich des 100. Firmenjubiläums entwickelt wurde. Hier können sowohl Handwerker als auch private Bauherren alles rund ums Bauen auf anschauliche Weise – quasi wie in einem Erlebnismuseum – lernen. Die Ausstellung ist für interessierte  Besucher offen. Auch in unserer Region müssen sich die Unternehmen immer neuen Herausforderungen stellen, seien es die wachsenden Energie- und Rohstoffpreise, der steigende Fachkräftemangel und die

zunehmende EU-Bürokratisierung. Besonders betroffen sind dabei die Reedereien. Hier währt die Krise bereits 5 Jahre. Der globale Wettbewerb ist hart. Früher ging es im heiß umkämpften Markt um Geschwindigkeit, heute heißt das Zauberwort „Energieeffizienz“. Überkapazitäten drücken auf den Preis, teilweise müssen Schiffe ganz oder zeitweise im Hafen bleiben. Der Transport wird kaum noch kostendeckend honoriert. „Der Speck ist weg“, resümiert Stefan Patjens von der Reederei Patjens aus Krautsand. Da drängt sich die bange Frage auf, wie lange die Reeder in unserer Region noch weitermachen können. Patjens setzt deshalb auf mehr Service und Dienstleistung rund um den eigentlichen Transport. Bei seiner Reederei steht immer der Mensch im Mittelpunkt.

Von der Politik erwarte er, dass ein größerer Fokus auf die Bildung gesetzt würde. Die Klinik Dr. Hancken ist durch modernste Technik inzwischen ein attraktiver Arbeitgeber geworden und kann durchaus mit Großstädten wie Hamburg mithalten. Sie ist gut vernetzt in der Region und kooperiert seit Jahren erfolgreich mit anderen Kliniken in der Region zusammen, wie zum den Elbe Kliniken Stade und Buxtehude. Die beiden Säulen der Klinik Hancken umfasst Diagnostik und Therapie. Die technische Geräteausstattung insbesondere am Hauptstandort ist im nördlichen Niedersachsen einmalig und bildet dass komplette diagnostische Spektrum auf höchstem Niveau ab. Dazu kommt die Schaffung einer positiven Atmosphäre mit hellen Räumen, Licht und musikalischem Hintergrund. Viel Geld wurde aktuell in ein sog. PET-CT investiert. Mit diesem Hightech-Gerät lassen sich auch kleine Tumore oder Metastasen aufgrund deren besonderen Stoffwechsels noch besser und zuverlässiger als mit den bisherigen Diagnostikgeräten CT oder MRT darstellen. Leider bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen eine solche Untersuchung nicht ohne weiteres. Geprägt sind erfolgreiche Unternehmen besonders von den individuellen Persönlichkeiten der einzelnen Unternehmer. „Das Stollengeschäft ist tot, das aber weckt meinen besonderen Ehrgeiz“, so Ralf Dietz, der die Bäckerei Dietz in Hedendorf gemeinsam mit seiner Frau in der 4. Generation führt. Seit einigen Jahren experimentiert er mit neuen Rezepturen. Der Renner ist aktuell sein Apfelbrandstollen. Dietz setzt auf die hohe Qualität der Produkte. „Regionalität schlägt Bio“. Die Mitarbeiter werden als Botschafter des Betriebes angesehen. Das fängt mit der freundlichen Bedienung der Kundschaft am Tresen an. Schulung und Ausbildung haben daher einen hohen Stellenwert in seinem Unternehmen. Ausdrücklich lobt er das das duale Ausbildungssystem. Die Teilnehmer der Wirtschaftreise haben eine beeindruckende Fülle von Informationen, aber auch viele Anregungen für das eigene Unternehmen mitgenommen. Die anwesenden Politiker haben die Wünsche der Unternehmen angenommen. Die beiden Landtagsabgeordneten Dammann-Tamke und Seefried zeigten sich aufs Neue beeindruckt von der unternehmerischen Vielfalt im Landkreis Stade. Besonders die inhabergeführten mittelständischen Unternehmen seien ein wichtige Säule für den wirtschaftlichen Erfolg unserer Region, so Grundmann. Der MIT-Vorsitzende, Henning Münnecke, freute sich über viele positive Rückmeldungen zur Wirtschaftsreise. „Wir werden bei unseren Politikern hartnäckig die angesprochenen Themen weiter verfolgen. Im nächsten Jahr wird es auf jeden Fall eine weitere Wirtschaftreise geben“, versprach er.