Kultus-Politiker besuchen Eylarduswerk in der Grafschaft Bentheim

Nordhorn. Sichtlich beeindruckt zeigten sich die Mitglieder des Arbeitskreises „Kultus“ der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion bei einem Arbeitsbesuch beim Eylarduswerk in der Grafschaft Bentheim. Hintergrund des Besuchs war, dass mit Beginn dieses Schuljahres alle Schulen in Niedersachsen kraft Gesetzes inklusive Schulen geworden sind. Grundlage dafür ist die UN-Behindertenrechtskonvention, die im Jahr 2009 durch den Deutschen Bundestag ratifiziert worden ist. Die neue Rot-Grüne Landesregierung kündigte nun weitere Veränderungen des niedersächsischen Schulgesetzes an und plant bereits mit dem nächsten Schuljahresbeginn die Abschaffung weiterer Förderschulen. Betroffen hiervon sind die Förderschule Lernen und die Förderschule Sprache.

Auch die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung steht inzwischen zur Diskussion. Das Ziel der neuen Landesregierung ist es, diese Schule als Durchgangsschule weiter zu entwickeln, die nach einem nur sehr kurzen Aufenthalt der Schülerinnen und Schüler in der Förderschule wieder die Inklusion in die allgemeinbildenden Schulen ermöglichen soll. Mit ihrem Besuch wollten die Abgeordneten sich einen Eindruck der tatsächlichen Arbeit vor Ort machen. Zunächst haben die CDU-Politiker in Nordhorn den Hof Weduwen besucht. Dieser ist eine offene Jungen-Intensivgruppe für psychiatrisch erkrankte und besonders auffällige Jungen auf einem ehemaligen Bauernhof am Stadtrand von Nordhorn. Die ländlich gelegene Hofstelle ohne unmittelbare Nachbarschaft bietet mit 4.000 qm großem Grundstück, Haupthaus und Nebengebäuden großzügigen Platz für 9 Jungen, die aufgrund ihrer besonderen Problematik nicht mehr in Familien oder anderen Wohngruppen leben können.

Im Anschluss besichtigten die Christdemokraten die Lern-Werk-Station des Eylarduswerks in Gildehaus. Die Lern-Werk-Station soll ein alternatives Angebote zur Hilfe bei der Bewältigung von Lernschwierigkeiten schaffen. Dabei wird auf eine erfahrbare Wissensvermittlung gesetzt, die Voraussetzungen schaffen für die Eingliederung in ein Berufsbildungssystem, in die Arbeitswelt oder auch in ein Schulsystem schaffen soll. Kern ist dabei die Verselbständigung des Jugendlichen und praktische Ausbildung von Arbeitstugenden sowie die Vermittlung von praxis- bzw. berufsorientierten Lernerfahrungen.

Den Abschluss bildete ein Besuch bei der Eylardusschule in Gildehaus. Die Eylardus-Schule ist eine Förderschule mit dem Auftrag, Schülerinnen und Schüler zu erziehen und zu unterrichten, die aufgrund ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung eine besondere Beschulung und sozialpädagogische Förderung benötigen. Während des Besuchs machten die Abgeordneten, die vom Leiter der Eylardusschule, Reinhard Pöhlker, dem pädagogischen Vorstand Detlev Krause sowie dem Leiter des therapeutischen Bereichs Klaus ter Horst durch die Einrichtungen geführt wurden, deutlich, dass in der politischen Debatte um die Inklusion eine „ideologische Abrüstung“ dringend geboten sei. „Wir müssen doch die Systeme vom Menschen her denken und nicht umgekehrt“, mahnte Reinhard Pöhlker. „Die Umsetzung der Inklusion gehört zu den bedeutendsten Gesetzgebungsvorhaben in der aktuellen Bildungspolitik“, stellte Kai Seefried, Vorsitzender des Arbeitskreises Kultus, fest. Mit einem breiten politischen Konsens (bis auf die Fraktionen von Grünen und den Linken) wurde im März 2012 das Schulgesetz im Landtag verabschiedet, wobei dieser Konsens grundsätzlich den Erhalt der Förderschulen in Niedersachsen. „Dass wir mit unserer Ablehnung der Abschaffung der Förderschulen zum aktuellen Zeitpunkt richtig liegen, hat unser Besuch in der Grafschaft eindrucksvoll gezeigt“, ist sich Seefried sicher. Der Besuch habe gezeigt, dass die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung eine entsprechende Förderzeit für das jeweilige Kind benötige. Eine Reduzierung zur Durchgangsschule mit nur wenigen Monaten des Aufenthaltes werde dem Kindeswohl nicht gerecht werden können. Seefried lobte das durchdachte und vielfältige Angebot des Eylarduswerks und will die gewonnen Eindrücke aus der Grafschaft mit nach Hannover nehmen. „Ein Blick in die Arbeit des Eylarduswerks zeigt die Realität des immensen Förderbedarfs von Jugendlichen mit Einschränkungen“, stellte er fest.