CDU Landratskandidat Kai Seefried diskutiert in vierter Zukunftswerkstatt über die Gesundheitsversorgung im Landkreis

Landkreis Stade. Die vierte Zukunftswerkstatt des CDU Landratskandidaten Kai Seefried stand unter dem Motto „Gesundheit – gut und sicher versorgt im Landkreis Stade“. Seefried hatte hierzu Experten aus der Region, aber auch darüber hinaus für eine Online-Veranstaltung in das Schloss Agathenburg eingeladen. Mit dabei war auch der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler, der in seiner Funktion für die hochschulmedizinische Ausbildung in Niedersachsen zuständig ist. Das Land beabsichtigt sehr zeitnah weitere Ausbildungskapazitäten in Niedersachsen zu schaffen. Dafür müssen unter anderem am Standort der European Medical School in Oldenburg noch rund 120 Mio. Euro investiert werden, um die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber auch an den Hochschulstandorten Hannover und Göttingen ist ein weiterer Ausbau der Kapazitäten geplant. 

Grundsätzlich bleibt aber auch für den Landkreis Stade der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen, der sich bereits jetzt deutlich abzeichnet. Dies unterstrich Prof. Holger Schmidt von den Stader Elbe-Kliniken, der in seiner Funktion als Beauftragter für das praktische Jahr an der Veranstaltung teilnahm. Er legte den Finger in die Wunde, denn der fehlende Ärztenachwuchs ist nicht nur ein Stader Problem, sondern beschäftigt alle Regionen in Deutschland. Schmidt ist davon überzeugt, dass nur ein noch stärkerer Ausbau der Studienkapazitäten eine Verbesserung für die Zukunft bringen kann. Gleichzeitig machte Schmidt konkrete Vorschläge, wie auch kurz- und mittelfristig etwas getan werden könnte. Die konkrete Idee, die sich anschließend wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog, sieht vor, Medizinstudenten aus Deutschland, die ihre Ausbildung im Ausland machen, in der Praxisphase wieder zurückzuholen und hier vor Ort auszubilden. Hierfür bedarf es entsprechende Ausbildungsstellen in den Kliniken, aber auch kooperierende Hochschulen und Professoren als Partner. Als weitere Diskussionsteilnehmer waren auch Prof. Frank Albe als Präsident der Privaten Hochschule Göttingen sowie die Vizekanzlerin Peggy Reppening dabei. Beide zeigten sich offen für eine solche Kooperation in Stade. Wichtig sei es, dass hierbei die Region, aber auch das Land entsprechende Initiativen unterstützt. 

Wie eine kommunale Unterstützung vor Ort aussehen kann, berichtete der Landrat des Landkreises Emsland, Marc-André Burgdorf. Das Emsland hat sich bereits vor über zehn Jahren auf den Weg gemacht, eigene Ausbildungsinitiativen für den Bereich der Ärzteausbildung zu starten: „Wir fangen bereits bei den Abiturienten an, für eine Ärzteausbildung zu werben und an die Region zu binden“ so Landrat Burgdorf. Hierfür wurde auf Initiative des Landkreises gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und weiteren Partnern eine eigene Gesellschaft gegründet, die Aus- und Weiterbildungsangebote organisiert und neben finanziellen Aspekten vor allem eine emotionale Bindung an die Region erreichen will. Seit 2014 hat der Landkreis in diesem Bereich rund 1,5 Mio. Euro investiert. Der Niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler ist den Initiativen aus der Region heraus gegenüber sehr aufgeschlossen. Das Land muss und wird sich weiter auf den Ausbau der Ausbildungskapazitäten an den Niedersächsischen Hochschulstandorten konzentrieren. Regionale Initiativen finden aber seine Unterstützung. „Genau dies war mein Ziel“, fasste Kai Seefried den ersten Teil der Zukunftswerkstatt zusammen. Denn in eben diese Richtung, Medizinerausbildung in der Region zu betreiben und hierfür eigene regionale Initiativen zu starten und möglicherweise mit einer eigenen Stiftung seitens des Landkreises zu unterstützen, könne laut Seefried ein Weg im Wettbewerb um den Ärztenachwuchs sein. Dabei blickte er auch nicht nur auf den Landkreis Stade, sondern sieht ebenso wie auch die Vertreter der PFH Göttingen die Möglichkeit, Ausbildungskapazitäten für den gesamten Elbe-Weser-Raum zu schaffen und damit auch weitere Kliniken in den Landkreisen Cuxhaven, Rotenburg, Harburg und darüber hinaus mit zu unterstützen. 

In einem weiteren Impuls berichtete der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Volker Meyer über die Ergebnisse der Enquete-Kommission. In dieser hat man sich darauf verständigt, die Regionen in Niedersachsen in verschiedene Versorgungsgebiete zu unterteilen. In jedem Gebiet soll es mindestens ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung geben. In bisher unterversorgten Regionen soll durch sogenannte regionale Gesundheitszentren zur Bündelung der ärztlichen Versorgung geschaffen werden. Notfalls könnten in dieser Form auch gefährdete Krankenhäuser bestehen. Den konkreten Blick auf die Region lieferte Dr. Stephan Brune, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung der Bezirksstelle Stade. Er sieht das Gesundheitssystem grundsätzlich gut ausgestattet, bemängelt als Sportmediziner aber, dass viel zu wenig für die Vorsorge getan werden. Insgesamt sei die Anspruchshaltung zu groß. Es wird zu schnell und zu viel zum Arzt gegangen. Hinzu kommt der steigende bürokratische Aufwand, sodass die Belastungssituation immer weiter zunehme. Die Herausforderung liegt darin, bereits heute erkennbare Renteneintritte von Hausärzten in den Blick zu nehmen und für entsprechende Nachfolgeregelungen zu sorgen. Die Kassenärztliche Vereinigung stehe hier immer als Ansprechpartner und Unterstützer zur Verfügung. In sogenannten unterversorgten Gebieten bestehe auch immer die Möglichkeit von Investitionshilfen bei der Übernahme von Praxen. Grundsätzlich hielt Brune noch einmal ein leidenschaftliches Plädoyer für den Beruf des selbstständigen Arztes und hält die Gründung von sogenannten Medizinischen Versorgungszentren nicht für die grundsätzlich richtige Antwort für den ländlichen Bereich. Zudem verwies Brune auch auf die verschiedenen Initiativen, die in den letzten Jahren in Kooperation zwischen Landkreis, Kassenärztlicher Vereinigung und weiteren Partnern auf den Weg gebracht wurden, hierzu gehört das Projekt Landgang, um angehende Ärzte in ihrer Ausbildungszeit in die Region zu holen. Ganz neu soll jetzt das sogenannten Studentencamp beginnen, bei dem auch Studenten in ihrer Praxisphase in die Region geholt werden. Als letzter Impulsgeber verwies Hubert Bühne von der stader Industrie – und Handelskammer auch auf die wirtschaftliche Bedeutung einer guten Versorgung: „Eine gute Gesundheitsversorgung ist immer auch Standortfaktor“, so Bühne. So werden bei Neuansiedlung von Unternehmen oder einem Ausbau von Arbeitsplätzen immer auch die Standortbedingungen und damit eben auch die ärztliche Versorgung betrachtet. Daher engagiere sich die IHK auch im Bereich von Förderprojekten wie zum Beispiel der Initiative Landgang des Landkreises Stade. 

In einer abschließenden Diskussionsrunde fassten die Teilnehmer die verschiedenen Aspekte der Zukunftswerkstatt zusammen. Für den ländlichen Bereich des Landkreises muss es grundsätzlich darum gehen, attraktive Rahmenbedingungen für Haus- und Fachärzte zu bieten. Landkreis, Kassenärztliche Vereinigung aber auch die Kommune sollten Ärzte bei Neugründungen oder Praxisübernahmen unterstützen. Medizinische Versorgungszentren oder wie sie in dem Bericht der Enquete-Kommission zur Gesundheitsversorgung genannt wurden, regionale Gesundheitszentren, können ergänzende Angebote sein. Vor allem konzentrierte sich aber auch diese abschließende Diskussionsrunde noch einmal darauf, wie konkrete Konzepte für eine Medizinerausbildung in der Region aussehen können. Hierzu möchte Seefried weitere Initiativen starten und die Beteiligten zusammenbringen, damit eigene Konzepte aus der Region entwickelt werden, die auch dem Land deutlich machen, dass der Landkreis selbst bereit ist etwas zu tun und hierfür für Untersetzung durch das Land zu werben.