Landkreis Stade. Was gehört zu einer attraktiven Innenstadt? Wie gelingt es, Ortskerne lebendig zu halten und hat der stationäre Einzelhandel eine Chance gegen das Internet? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der zweiten Zukunftswerkstatt, zu der der CDU-Landratskandidat Kai Seefried eingeladen hatte. Nach drei Stunden umfangreicher Diskussion war für alle Beteiligten klar: Der Einzelhandel hat große Chancen und die Region ist durchaus schon gut aufgestellt. Es gilt aber auch offen für Veränderungen und neue Ideen zu sein.

Insbesondere die Corona-Krise hat uns in den letzten Monaten gezeigt, vor welchen Herausforderungen der stationäre Einzelhandel im Vergleich zu Onlineportalen steht. „Dabei ist es gerade der Einzelhandel, der zusammen mit der Gastronomie und weiteren Angeboten für attraktive Innenstädte und Ortskerne sorgt“, ist Kai Seefried überzeugt und wirbt dafür, dass neben der betroffenen Wirtschaft auch die Politik aktiv wird, um für einen attraktiven Rahmen und damit für attraktive Zentren zu sorgen.

Diese Position wurde klar von Kathrin Wiellowicz von der IHK bestätigt. Wiellowicz stellte anhand eines Acht-Punkte-Konzeptes vor, worauf es jetzt ankomme. Selten gab es dafür auch so vielfältige Förderungsmöglichkeiten wie heute. Erst in der vergangenen Woche hat das Land Niedersachsen ein neues Innenstadt-Sofortprogramm in Höhe von 117 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Kommunen können derzeit ihre Anträge an das Land richten. Eine Grundlage für eine erfolgreiche Perspektive sei in jedem Fall alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Unternehmen, Eigentümer, Politik und Verwaltung, aber auch Kultur, Freizeit und Tourismus gehören dazu.

Klaus Mensing vom Beratungs- und Planungsbüro CONVENT in Hamburg knüpfte nahtlos an die Ausführungen Willowicz an und sprach sich dafür aus, neu zu denken. Bei der Planung von Innenstädten und Zentren komme es auf eine gute Mischung an. Wichtig sei, dass auch außerhalb des Einzelhandels attraktive Angebote und Frequenzbringer vorhanden sind. Dies können eben auch die öffentliche Verwaltung, große Arbeitgeber, Festivals und Kultur sein. Bei langen Leerständen könnte neuen Ideen mit sogenannten PopupStores eine Chance gegeben werden.

Der Einzelhandel habe Zukunft, er müsse jetzt aber den Weg der Online-Kommunikation entschlossen weitergehen ist Prof. Dr. Julian Voss überzeugt: „Den Kunden erreiche ich heute nicht mehr, weil ich einen Mietvertrag in der Innenstadt unterschrieben“, rüttelte der Professor von der Privaten Hochschule Göttingen auf. Er sei sich aber sicher, dass diejenigen, die sich auf den stationären Weg in Verbindung mit einer guten online Kommunikation einlassen und dabei zeitgleich den Vorteil guter Beratung sowie eines guten Service bieten, eine gute Zukunft haben werden.

Wie können neue Ideen für die Innenstadt aussehen? Dieser Frage stellte sich Mario Handtke vom „Communityprojekt Ankerplatz“ in Stade. Hier soll über ein modernes modulares Containersystem der Platz am Sande mit neuem Leben gefüllt werden. Bars, Workshops, Kunst, Kultur, Bildung und vieles mehr wäre hier möglich und auch ganz bewusst gewollt.

Als Motivator für neue Ideen und die Qualität des Einzelhandels berichtete Bastian Renck von Gelis Feinkost Boutique Harsefeld. Er warb für Offenheit gegenüber neuen Ideen. Man müsse sich sowohl online als auch stationär auf die Wünsche der Kunden einrichten und dabei immer wieder Service und Qualität in den Mittelpunkt stellen. Dies beginne auch bei dem klassischen Schaufenster, so Renck.

In einem großen Diskussionsforum komplettierten Fabian Stackmann vom Modehaus Stackmann in Buxtehude, Georg Lempke von Stade aktuell, Lars Oldach vom Wirtschaftsverein Buxtehude, Thomas Regensdorff von der RAISA e.G. und Wolfgang Hilbig vom Gewerbeverein Drochtersen die Zukunftswerkstatt. Seefried war es wichtig, mit diesem Podium ein Bild über den Landkreis mit den beiden Hansestädten, aber auch dem ländlichen Raum zu bekommen. Für die Zentren rückte dabei das neue Niedersächsische Quartiersgesetz in den Mittelpunkt. Danach können vor Ort jetzt sogenannte Business Improvement Districts gebildet werden, um mit allen Händlern und Unternehmen in einem Gebiet gemeinsam die Standortqualität zu erhöhen. Fabian Stackmann vom Modehaus Stackmann in Buxtehude berichtete, wie schnell sich auch sein über 100 Jahre altes Unternehmen auf den Weg der Onlinekommunikation und des Onlinehandels gemacht hat. Mit den erfolgten Öffnungsschritten nahm der Anteil des Onlineumsatzes aber auch wieder ab. Zukünftig werde das Unternehmen stark auf hybride Lösungen setzen und beide Absatzwege nutzen, um damit auch verstärkt online für die Kunden erreichbar zu sein.

Seefried fasste im Fazit zusammen, dass für den Erfolg immer auch Mut dazu gehöre. Gleichzeitig sei es wichtig, dass alle Beteiligten eng zusammenzuarbeiten. Hierfür sollte auch die Zukunftswerkstatt eine Grundlage sein. Natürlich beginnt die Zusammenarbeit vor Ort in der jeweiligen Gemeinde oder Stadt, aber auch eine Gesamtbetrachtung des Landkreises und ein Austausch miteinander seien wichtig und gewinnbringend. Die Kommunen und Verwaltungen sind hier auch Dienstleister für die Unternehmen und sollten diese Prozesse aktiv fördern. Der Landkreis Stade hat heute bereits ein gutes Angebot und wird mit einer Offenheit für neue Ideen und Konzepte auch gut in die Zukunft kommen.